Texte


Auszüge aus dem buch „ es ist viertel vor nach “, Buchger Verlag Hohenems, Erscheinung im Herbst 2025
wie soll ich sagen

zeit
geschehen
in

dunklem
oder
hellem
hohem
niedrigem
breitem
langem
schlechtem
gutem
kräftigem
kraftlosem
weichem
hartem
spürbarem
spürlosem

zustand
wo
keine zahlen
keine zeiger
kein ticken
kein lautloses

die
zeit
einsam
an der
wand
hängt
der hut im wind

ein mann
mit hut
im zug
erzählte
er wäre
in wien
geboren

nach berlin ausgewandert
in hamburg arbeit fand
dann in köln und münchen lebte
auch in amsterdam rom und madrid
bis er in london ein wohnung bekam
in dublin sie billiger war
und in kopenhagen ein teures bier trank
um in paris essen zu gehen
in marseille eine algerisch stammende frau kennenlernte
die mit ihm nach neapel abhaute
singend in palermo untertauchte
in warschau er sich von ihr trennte
und in prag es ihm nicht gefiel

der mann fuhr eine station weiter
und stieg an einem kleinen ort

als einziger aus

die zeiger auf der bahnhofsuhr
begannen
sich wieder zu bewegen
ticken

tick
tack
tick
tack
tick
tack

dick
tack
dick
tack

mit der zeit
zugenommen
zeitwende

tick
tack

tick
tack

tick
tack

tick
tack

tack
tick

tack
tick

tack
tick
tack
tick

die uhr
geht
rückwärts
finde das zeitwort

holen
radeln
helfen
graben
singen
zeitwort
kleben
singen
malen
frieren
pfeifen
schlafen
schreien
schreiben
alles zu seiner zeit

ein dicker mann
wurde
in den nationalrat gewählt


und dann wieder hinausgewählt


dann wieder hineingewählt

wieder hinausgewählt

wieder hineingewählt



bis er wieder hinausgewählt wird
um wieder hineingewählt zu werden
und hinausgewählt wird

und so geht das jahrelang



alles zu seiner zeit
zeit im bild

ein krieg
in der
ferne

fern
sehen

mit
geweiteten augen

um
zwanzig
vor acht
fast nacht

die
dunkelheit
hämisch
lacht

laut
der krieg

die
augen erblinden
zu
fern
sehen

in die
ruinen
der anderen
wohnungen

die augen geschlossen

die ohren zerschossen

zeitfenster

ein kleiner bub

in
mariupol

meinte
aufgeregt

dass er ein flugzeug
bauen will
mit nur einem
fenster

einem fenster


er dann in den himmel fliegt
mit dem flugzeug

in einer minute

und der
großmutter
aus dem
fenster


die hand
reicht
wiedergeburt

die zeit

dünn

ist sie

die zeit

in der mitte

der sanduhr

dünn

rinnt sie

davon

läuft

die zeit

in einen

anderen raum

in dem
es keine zeit gibt



bis die sanduhr umgedreht wird
und es von vorne beginnt
mit der zeit



dünn ist sie
Textinstallation „g e h e n“ Vernissage zur Gestaltung der KUNSTVITRINE DORNBIRN
Hörprobe zu "VOR LAUTER KRIMI"
Lyrischer Krimi Noir von Peter Langebner, Taschenbuch 2021, Der Kollektiv Verlag, Graz;



Arbeitsbeispiele

angst

hast viel
hast angst

hast nicht viel
hast angst

hast angst
hast viel

hast angst
hast
nicht viel
der blaue himmel

der blaue himmel
hängt am Baum

ladet
zwischen den ästen
zum
schwimmen ein
die sprache verschlagen

die sprache verschlagen

die sprache verschlagen

die sprache verschlagen

die sprache verschlagen

solange
bis sie zurückschlägt
die kuh auf dem pferd
(ruanda)

ein junge erzählte
dass auf einem pferd
eine kuh stand

dass auf einem pferd
eine kuh stand
sollte selten sein
sehr selten
sogar

der junge hatte die verantwortung
über die kuh
und wusste nicht wie er sie
vom pferd bekam

aber er wusste schon gar nicht
wie die kuh
auf den pferderücken kam

der junge hatte große augen
beim erzählen
ausflug

wenn buchstaben
zu
wörtern fahren

die wörter
mit den buchstaben
zu den sätzen

und die sätze
mit den
wörtern und buchstaben

das blatt papier
besuchen

dann ist er
auch nicht mehr weit

der
roman
es nagt


es nagt am montag

es nagt am dienstag

es nagt am mittwoch

es nagt am donnerstag

es nagt am freitag

es nagt am samstag

es nagt am sonntag



die ganze woche abgenagt
freie marktwirtschaft

eine frau sagt
es gibt

arme

einer
reicht bis zur bettelbüchse

und einer

bis in hosentaschen
anderer

mehr wäre nicht zu sagen
haben

haben
haben
mehr haben
noch mehr haben
noch viel mehr haben
noch viel mehr haben wollen

um das haben
nicht zu verlieren
mein haus

mein haus
ist mein daheim

mein daheim
ist mein haus

und bin
ich nicht
daheim
im haus

ist
das gedicht
aus

gegangen
ohne titel

ohne titel
ja
ohne titel

warum glaubt mir denn keiner

wenn es keinen
titel
gibt

keinen braucht

es keinen gibt

um diesen text

keinen titel
zu
verleihen
suppe

buchstaben
schwimmen


in der suppe


ein gedicht
vergeblicher versuch
auszuwandern


auswandern

nach
und
nach

auswandern

nach
und
nach

auswandern

nach
und
nach

ortstafel
ende
vergeblicher versuch
vom auswandern


auswandern

nach
und
nach

und
nach
und
nach

um vom ort

„auswandern“

zurück zu wandern
klickten

die kamera‘s

klickten
und
klickten
und
klickten
und klickten

den politiker

in die handschellen



foto des jahres
stichelei1

ablauf

stichelei
stichel
stiche
stich

rückverfolgung

stich
stiche
stichel
stichelei
tätersuche

die stadt versinkt
im nebel

einer milchsuppe
randvoll

drückt die augen
feucht in die augenhöhlen

dieser schleier

unfassbar

mit dem löffel
den täter
in der milchsuppe
zu finden
der ball

der
springende punkt

vor einem

hinter einem

auf einem

neben einem

durch
und durch

ein
springender punkt

und punkt
mittelfeldspieler

wird
vorgeschaut
stehe ich dort

wird
zurückgeschaut
stand ich da

jetzt stehe ich hier

solange

bis ich nicht mehr
da bin

bin schon
drüben